Wichteln · Variante
Schrottwichteln: Regeln, Ideen und der Schrott-Test
Beim Schrottwichteln kauft niemand etwas. Jeder sucht zu Hause einen nutzlosen oder skurrilen Gegenstand, verpackt ihn schön und bringt ihn mit — der Witz liegt im Auspacken. Schrott heißt dabei nicht Müll: Was verschenkt wird, ist ganz, sauber und verletzt niemanden.

Was Schrottwichteln ist
Schrottwichteln ist Wichteln mit dem, was schon da ist.
Statt ein Geschenk zu kaufen, verpackt jeder etwas aus der eigenen Schublade, das keinen Zweck mehr erfüllt — die Glühweintasse vom letzten Weihnachtsmarkt, das Plüschtier von der Schießbude, den Eierschneider, den nie jemand benutzt hat. Es kostet nichts, es räumt zu Hause auf, und es ist die Variante, bei der am meisten gelacht wird.
„Gruschtwichteln“ ist schwäbisch, von „Grusch“ für Kram. Alle drei bezeichnen dasselbe.
Der Unterschied zum klassischen Wichteln: Dort besorgt man gezielt etwas für eine bestimmte Person. Hier ist der Gegenstand schon vorhanden, und die Zuordnung ist Nebensache.
Die Regeln
- Jeder sucht zu Hause etwas Nutzloses
Nicht kaputt, nicht schmutzig, nicht verletzend — nur überflüssig.
- Hübsch verpacken
Das ist kein Detail, sondern der halbe Witz: Je liebevoller die Verpackung, desto besser der Moment, in dem der Rückenkratzer zum Vorschein kommt.
- Alles in die Tischmitte
Anonym, ohne Namensschild.
- Zuordnung auslosen — per Los oder per Würfel
Welche Variante wann besser ist, steht im Kasten darunter.
- Der Reihe nach auspacken
Einer nach dem anderen, alle sehen zu. Gleichzeitig auspacken zerstört genau den Teil, für den man sich versammelt hat.
- Tauschen ist erlaubt, wenn es vorher vereinbart war
Sonst entsteht am Ende Gemurmel darüber, wer eigentlich was behalten darf.
Der Schrott-Test
Die häufigste Frage beim Schrottwichteln ist nicht, wie es geht — sondern was durchgeht. Zwölf echte Fälle, jeweils mit Urteil. Karte antippen zum Aufdecken.
Schrott ist nicht Müll
Drei Kriterien, und alle drei müssen zutreffen: ganz, sauber, verletzt niemanden.
| Geht | Geht nicht |
|---|---|
| Funktioniert noch, wird nur nicht gebraucht | Defekt, unvollständig, abgelaufen |
| Sauber oder abwischbar | Fleckig, klebrig, getragen |
| Skurril, kitschig, überflüssig | Anspielung auf Gewicht, Aussehen, Beziehungsstatus |
| Erzählt eine Geschichte | Beleidigt eine bestimmte Person |

Ideen nach Kategorie
Fünf Schubladen, in denen bei fast jedem etwas liegt.
Küche & Haushalt
- Eierschneider
- Avocadoschäler
- Melonenkugelausstecher
- Nudelsieb in Herzform
- Knoblauchpresse mit sechs Einzelteilen
- Eierbecher in Hühnerform
- Zestenreißer, den niemand erklären kann
Deko & Nippes
- Porzellanfigürchen von der Großtante
- Traumfänger aus der Studienzeit
- Schneekugel mit einer Stadt, in der man nie war
- Wanddeko mit Lebensweisheit
- Kunstblume in Topf
- Duftkerze mit unklarer Geruchsrichtung
Büro & Schreibtisch
- Wackelfigur
- Sammlung von Werbe-Kugelschreibern
- Mauspad einer Versicherung
- Schreibtisch-Zen-Garten mit Miniharke
- Anti-Stress-Ball einer Messe
- Tischkalender vom Vorjahr
Erinnerungsstücke
- Konzert-T-Shirt in Größe S
- Urlaubsmagnete im Zehnerpack
- Poster von 2009
- Sammeltassen einer Tankstellenaktion
- Freundschaftsbuch mit drei Einträgen
- Fanschal eines Vereins, der abgestiegen ist
Selbstgemachter Unsinn
- Gedicht auf Sperrholz gebrannt
- gerahmtes Selfie
- Marmelade mit erfundenem Namen
- Urkunde für eine nie erbrachte Leistung
- Steinsammlung mit Beschriftung
- Gutschein für eine halbe Stunde Zuhören
Verpacken ist die halbe Gaudi
Großer Karton, kleiner Inhalt
Die Erwartung aufbauen und dann enttäuschen — darauf läuft der ganze Abend hinaus.
Schichten statt Klebeband
Mehrere Lagen Papier, gern Zeitungspapier, das passt zum Thema. Aber in Maßen: Wer fünfzig Meter Klebeband verwendet, bestraft die beschenkte Person, statt sie zu unterhalten.
Ein Anhänger ohne Namen
Ein Spruch, ein Rätsel, ein Hinweis — nur eben nicht, von wem es kommt. Zwölf fertige Sprüche stehen bei den Vorlagen zum Ausdrucken.

Wenn es daneben geht
Meist kein böser Wille, sondern ein Missverständnis: „Schrott“ wurde wörtlich genommen. Vermeiden lässt sich das nur vorher — die drei Kriterien mit der Einladung mitschicken. Passiert es doch, hilft Humor mehr als eine Diskussion, und die betroffene Person bekommt beim Tauschen den Vortritt.
Wenn ein Geschenk als Kommentar zu Aussehen, Gewicht oder Privatleben verstanden werden kann, ist es keins mehr. Wer merkt, dass es gekippt ist, sollte es sofort ansprechen und nicht überspielen — es wird nicht besser, wenn man weiterlacht.
Und ist enttäuscht, dass alle anderen Krimskrams mitgebracht haben. Auch das ist ein Erklärungsproblem: Bei Schrottwichteln ist Kaufen nicht der Einsatz, sondern die Regelabweichung.
Freunde und Kollegen gemischt, unterschiedliche Erwartungen an das, was noch witzig ist. In solchen Runden ist das klassische Wichteln mit kleinem Budget die sicherere Wahl.
Regeln zum Ausdrucken
Wenn doch etwas Gekauftes hinein soll
Eigentlich widerspricht Kaufen dem Sinn des Schrottwichtelns. Zwei Fälle gibt es trotzdem: Man findet zu Hause nichts Passendes, oder die Runde hat sich auf „skurril, aber neu“ verständigt. Dann gilt dieselbe Grenze wie sonst — ganz, sauber, verletzt niemanden.
Häufige Fragen
Was darf man beim Schrottwichteln verschenken?
Alles, was ganz, sauber und nicht verletzend ist und zu Hause keinen Zweck mehr erfüllt. Zwölf konkrete Fälle stehen im Schrott-Test weiter oben.
Was kostet Schrottwichteln?
Nichts. Das ist der Punkt.
Wie viele Leute braucht man?
Ab vier wird es lustig, ab sechs richtig gut. Bis etwa acht Personen mit Losen, darüber mit Würfeln.
Mit Losen oder mit Würfeln?
Lose sind ruhiger und persönlicher, Würfel lauter und für große Runden besser. Beides steht in den Regeln oben.
Darf man auch etwas kaufen?
Wenn die Runde sich vorher darauf verständigt, ja. Ohne Absprache sorgt es für Ungleichgewicht.
Was, wenn jemand echten Müll mitbringt?
Vorher die drei Kriterien mitschicken. Passiert es trotzdem: Humor, und die betroffene Person darf zuerst tauschen.
Heißt es Gammel-, Ramsch- oder Gruschtwichteln?
Alle drei bezeichnen dasselbe. „Gruschtwichteln“ ist schwäbisch, „Gammelwichteln“ und „Ramschwichteln“ sind überregional verbreitet.
