Älteres Futhark · Rune 14 von 24
Perthro ᛈ

| Zeichen | ᛈ (Unicode U+16C8) |
| Name | Perthro · altenglisch peorð |
| Lautwert | p |
| Nummer | 14 von 24 |
| Ætt | zweite Achtergruppe |
| Umkehrlage | ja |
Spiel · Zufall · das Unbekannte selbst
Hier ist die ehrlichste Rune der ganzen Reihe, und ihre Ehrlichkeit besteht darin, dass wir nicht wissen, was sie bedeutet.
Es gibt kein altenglisches Wort, das peorð ähnelt. Kein Verwandter, keine Ableitung, nichts. Der Grund ist sprachlich: Der p-Laut war im Urgermanischen selten, und Wörter mit p sind oft entlehnt. Die Rune existiert, ihr Name ist überliefert — und niemand weiß, was er heißt.
Diese Rune selbst werfen: Im Runen-Werkzeug fällt Perthro aufrecht, gestürzt oder verdeckt — und wird in der Lage gedeutet, in der sie liegt.
Spiel, Gelächter — und sonst nichts
Über Perthro gibt es nur den englischen Vers, und der beschreibt eine Szene statt einer Sache: Peorð sei immer Spiel und Gelächter unter Stolzen, dort wo Krieger in der Bierhalle fröhlich beisammensitzen.
Das ist alles. Eine Halle, Krieger, Bier, ein Spiel, Gelächter. Der Dichter setzt voraus, dass seine Leser wissen, was peorð ist — er erklärt es mit keinem Wort. Und weil das Wort sonst nirgends überliefert ist, wissen wir es heute nicht mehr.
Was die Forschung daraus macht
Zwei Vorschläge werden diskutiert, beide unsicher, und man sollte sie als das benennen, was sie sind: begründete Vermutungen.
Der Würfelbecher. Weil die Strophe von Spiel handelt, liegt es nahe, dass peorð das Gerät meint, mit dem gespielt wurde — ein Becher, aus dem Würfel oder Lose fallen. Diese Deutung ist am weitesten verbreitet.
Der Birnbaum. Sprachlich könnte peorð mit „Birne" zusammenhängen. Birnenholz ist hart und fein und wurde für Spielsteine und Blasinstrumente verwendet — was wieder zur Halle und zum Spiel passen würde.
Mehr gibt die Quellenlage nicht her. Wer Perthro mit „Schicksal", „Geburt", „Geheimnis" oder „weibliche Mysterien" übersetzt — und das findet sich in fast jeder Runenliteratur —, hat das nicht aus einer Quelle, sondern aus dem 20. Jahrhundert.
Aufrecht
Aufrecht ist Perthro der Zufall, der ins Spiel kommt. Etwas ist offen, und es hängt nicht nur von dir ab. Eine Bewerbung neben anderen. Ein Losverfahren. Eine Begegnung, die zustande kommt oder nicht.
Der zweite Teil ist die Geselligkeit aus der Strophe. Das Spiel findet in der Halle statt, unter Menschen, mit Bier und Gelächter. Perthro ist keine einsame Rune — sie beschreibt Chancen, die aus Gemeinschaft entstehen.
Der dritte Teil ist der Reiz des Ungewissen. In einem Spiel weiß man nicht, wie es ausgeht, und genau deshalb spielt man. Wo Perthro liegt, ist Offenheit kein Mangel, sondern der Punkt.
Gestürzt
Gestürzt kippt das Spiel. Am häufigsten: Man setzt zu viel auf den Zufall. Warten auf Glück statt handeln. Ein Risiko, das man eingeht, weil man den Einsatz nicht mehr sieht.
Der zweite Sinn ist Ausschluss. Das Spiel läuft, aber ohne dich — eine Entscheidung fällt in einem Kreis, zu dem du keinen Zugang hast.
Ein dritter: verlorene Leichtigkeit. Aus dem Spiel ist Ernst geworden, und niemand lacht mehr.
Zur Einordnung: Die gestürzte Deutung ist eine Konvention des 20. Jahrhunderts. Die Runengedichte kennen keine umgekehrten Runen.
Perthro in den vier Lebensbereichen
Liebe. Etwas ist offen: eine Begegnung, ein Anfang, eine Frage ohne Antwort. Gestürzt: man wartet darauf, dass sich etwas von selbst entscheidet.
Arbeit. Bewerbung, Ausschreibung, Auswahlverfahren — alles, wo andere mit entscheiden. Gestürzt: eine Entscheidung, bei der man außen vor bleibt.
Geld. Risiko und Einsatz. Perthro ist die einzige Rune, bei der Spiel im Wortsinn vorkommt — was in beide Richtungen gelesen werden kann.
Wohlbefinden. Aufrecht die Leichtigkeit, etwas nicht kontrollieren zu müssen. Gestürzt die Anspannung, die entsteht, wenn man es trotzdem versucht.
Nachbarn
Perthro und Wunjo ᚹ — Spiel trifft auf Freude. Genau die Szene aus der Strophe: Menschen sitzen beisammen, und es ist gut.
Perthro und Nauthiz ᚾ — Zufall trifft auf Not. Eine unangenehme Paarung: Man setzt auf Glück, weil die Mittel fehlen.
Als Tagesrune
„Nicht alles hängt heute von dir ab. Spiel mit, statt zu rechnen."
Zieh sie morgens und frag abends nach: Wo habe ich heute versucht, etwas zu steuern, das offen war?
Häufige Fragen
Was bedeutet die Rune Perthro?
Das weiß niemand sicher — sie ist die einzige Rune, deren Name unverstanden ist. Die einzige überlieferte Strophe beschreibt Spiel und Gelächter in einer Halle. Daraus wird meist auf einen Würfelbecher geschlossen; sicher ist das nicht.
Heißt die Rune Perthro, Peorth oder Perth?
Alles Varianten desselben Namens. Peorð ist die altenglische Form, Perthro die rekonstruierte germanische. Dieselbe Rune ᛈ.
Steht Perthro für Schicksal oder für Geburt?
Diese Deutungen sind weit verbreitet, stehen aber in keiner Quelle. Sie stammen aus der Runenliteratur des 20. Jahrhunderts. Was belegt ist, ist Spiel, Zufall und Geselligkeit.
Warum ist die Bedeutung ausgerechnet bei dieser Rune verloren?
Weil es kein verwandtes Wort gibt. Der p-Laut war im Urgermanischen selten, sodass sich der Name sprachlich nicht anknüpfen lässt. Bei den anderen Runen half meist ein erhaltenes Wort — hier fehlt es.
Ist Perthro die Rune für Glücksspiel?
Sie ist die einzige, in deren überlieferter Strophe ein Spiel vorkommt. Ob das Glücksspiel im heutigen Sinn war, ist offen — gewürfelt wurde in germanischen Hallen jedenfalls, und Tacitus berichtet, dass mancher dabei bis zur eigenen Freiheit setzte.
Zum Nachdenken
Perthro fragt nicht, wie es ausgeht. Sie fragt, ob du mitspielst, obwohl du es nicht weißt.
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Redaktioneller Hinweis: Runendeutung ist keine Wissenschaft. Dieser Text trennt, was überliefert ist, von dem, was moderne Praxis ist — und sagt es dort, wo beides auseinandergeht.
