Randomizer Box

Runen · Lexikon

Runen-Tattoo

Ein Runen-Tattoo ist eine gute Idee mit ein paar Fallstricken, und alle davon lassen sich vorher ausräumen. Danach nicht mehr.

Diese Seite geht die sechs Punkte durch, die man vor dem Termin geklärt haben sollte — von der Frage, welche Runenreihe eigentlich gemeint ist, bis zu den drei Zeichen, die in Deutschland eine Vorgeschichte haben.

Kein Rechtsrat. Der Abschnitt zur Rechtslage gibt den allgemeinen Stand wieder und ersetzt im Zweifel keine Beratung.

1. Welche Runenreihe soll es sein?

Die erste Frage, und die, die am häufigsten übersprungen wird. Es gibt nicht die Runen, sondern drei Reihen:

  • Älteres Futhark, 24 Zeichen, bis etwa 800. Die Reihe mit den überlieferten Namen und Bedeutungen — und die Reihe, mit der sich Namen am eindeutigsten schreiben lassen.
  • Jüngeres Futhark, 16 Zeichen, die tatsächliche Schrift der Wikingerzeit. Historisch genauer, dafür mehrdeutig: Ein Zeichen deckt mehrere Laute ab.
  • Angelsächsisches Futhorc, bis zu 33 Zeichen, England.

Wer „Wikingerrunen" will, meint historisch das Jüngere Futhark. Wer Lesbarkeit und Bedeutung will, nimmt das Ältere. Beides ist vertretbar — nur sollte man wissen, welches man wählt. Ausführlich steht das auf Die drei Runenreihen.

2. Laute stechen, nicht Buchstaben

Der häufigste inhaltliche Fehler. Runen sind Lautzeichen. Man überträgt, wie ein Name klingt, nicht wie er geschrieben wird.

„Christian" wird nicht C-h-r-i-s-t-i-a-n, sondern K-r-i-s-t-i-a-n: ᚲᚱᛁᛊᛏᛁᚨᚾ. Stumme Buchstaben fallen weg, Doppelbuchstaben werden zu einem Zeichen.

Und die Falle, in die praktisch jeder Online-Übersetzer tappt: Deutsches z wird nicht zu ᛉ. Unser z klingt wie ts und wird ᛏᛊ geschrieben. Die Rune ᛉ steht in den Tabellen nur deshalb unter „z", weil die Fachliteratur diesen Buchstaben für einen ganz anderen, alten Laut benutzt.

Die vollständigen Zuordnungen mit allen Sonderfällen — c, q, v, x, y, ä, ö, ü, sch — stehen auf Das Runenalphabet.

Praktischer Rat: Lass dir die Runenzeile von jemandem gegenlesen, der sie zurücklesen kann. Wenn der Name dabei wieder herauskommt, stimmt sie.

3. Bedeutung oder Name — nicht beides gleichzeitig

Zwei völlig verschiedene Anwendungen derselben Zeichen, die gern vermischt werden.

Ein Name in Runen benutzt die Lautwerte. Die Bedeutungen der einzelnen Runen spielen dabei keine Rolle — genauso wenig, wie die Buchstaben deines Namens im lateinischen Alphabet etwas bedeuten.

Eine einzelne Rune als Symbol benutzt die Bedeutung. Wer Uruz für Ausdauer sticht, sticht kein „U".

Was nicht funktioniert: einen Namen schreiben und die Bedeutungen der dabei entstehenden Runen als Botschaft lesen. Das ergibt zufällige Kombinationen, weil die Reihenfolge vom Namen bestimmt wird und nicht vom Sinn.

4. Die Form: eckig, nicht rund

Runen sind Ritzschrift. Sie wurden mit einem Messer in Holz, Knochen und Stein geschnitten, und daraus folgt ihre Form:

  • kaum Rundungen — ein Kreis lässt sich schlecht schneiden;
  • kaum waagerechte Striche — die gängige Erklärung: quer zur Holzmaserung ritzt und liest sich ein Strich schlecht.

Eine ausnahmslose Regel ist das nicht, aber die Tendenz ist deutlich: Runen bestehen fast durchweg aus senkrechten und schrägen Linien. Ein „geschwungenes" Runen-Tattoo mit runden Formen sieht für jeden, der die Schrift kennt, sofort nach Dekoration aus.

Ebenfalls beliebt: die Kombination mit keltischen Knoten. Die gehören einer anderen Kultur an — wobei sich insulare Flechtmuster und Runen im frühen Mittelalter zeitlich durchaus überschnitten und in Kontaktzonen wie der Isle of Man sogar auf denselben Steinkreuzen stehen. Es bleibt trotzdem die Mischung zweier Traditionen; mehr dazu auf Keltische Runen.

5. Die drei Zeichen mit Vorgeschichte

Hier wird es ernst, und zwar unabhängig davon, was man selbst mit den Zeichen verbindet.

Sowilo — die Sonnenrune. Die SS führte sie ab 1933 als doppeltes Zeichen. Die einzelne historische Rune ist ein Buchstabe des Älteren Futhark; zwei davon nebeneinander sind es nicht.

Othala — die Erbe-Rune. In einer Variante mit angesetzten Füßen, der „geflügelten Odalrune", war sie NS-Emblem; in rechtsextremen Kreisen steht sie bis heute für „Sippe" und „Boden". Der Unterschied zwischen der schlichten und der geflügelten Form ist optisch klein und rechtlich erheblich.

Algiz — die Schutzrune. Als „Lebensrune" und, gestürzt, als „Todesrune" wurde sie von völkischen Kreisen vereinnahmt; der Lebensborn benutzte sie. Beide Begriffe gehen auf Guido von List zurück und haben mit der Überlieferung nichts zu tun.

Dazu kommt ein Zeichen, das gar keine Rune ist: die „Schwarze Sonne", ein Bodenornament aus der Wewelsburg, das die SS dort anbringen ließ. Sie wird oft als Bindrune ausgegeben, ist aber keine und gilt heute als zentrales Erkennungszeichen der rechtsextremen Szene.

Wie die Rechtslage ist

§ 86a StGB verbietet das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die historischen Runen des Älteren Futhark sind als solche nicht verboten — sie sind Buchstaben einer alten Schrift.

Erfasst sind bestimmte Ausprägungen und Zusammenhänge: die doppelte Sig-Rune, die geflügelte Odalrune, die Verwendung im Kontext verbotener Organisationen. Die Bewertung hängt am Einzelfall — an der Form des Zeichens, an dem, was daneben steht, und an der Situation, in der es gezeigt wird.

Praktisch heißt das: Eine einzelne Othala auf dem Unterarm ist etwas anderes als dieselbe Rune zwischen einschlägigen Symbolen. Wer eines dieser drei Zeichen tragen will, sollte die Vorgeschichte kennen — auch, um sie erklären zu können.

Fachlich zuverlässig weiterführend: Bundeszentrale für politische Bildung und Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.

6. Was du dem Studio mitbringen solltest

Tätowiererinnen und Tätowierer sind Fachleute für Haut, nicht für Runenkunde. Die Vorlage ist deine Aufgabe.

  • Die Zeichenfolge als Bilddatei, nicht als Schriftart. Runen-Fonts ersetzen Buchstaben eins zu eins — genau der Fehler aus Punkt 2.
  • Die Leserichtung. Von links nach rechts ist üblich. Alte Inschriften laufen auch mal andersherum oder im Wechsel; das ist eine bewusste Entscheidung, kein Zufall.
  • Die Ausrichtung am Körper. Was am Unterarm senkrecht steht, steht auf dem Foto oft schief.
  • Eine zweite Meinung. Am besten von jemandem, der die Zeile zurücklesen kann.

Häufige Fragen

Sind Runen-Tattoos verboten?

Die historischen Runen nicht — sie sind Buchstaben einer alten Schrift. Verboten sind Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86a StGB, etwa die doppelte Sig-Rune oder die geflügelte Odalrune. Die Bewertung hängt an Form und Zusammenhang.

Welche Rune ist gut für ein Tattoo?

Das hängt davon ab, was du ausdrücken willst. Häufig gewählt werden Algiz für Schutz, Uruz für Ausdauer, Tiwaz für Verlässlichkeit und Berkano für einen Neuanfang. Alle 24 stehen in der Übersicht.

Wie schreibe ich meinen Namen für ein Tattoo in Runen?

Nach Lauten, nicht nach Buchstaben. Sprich den Namen aus, zerlege ihn in Klänge und setze für jeden Klang eine Rune. Die vollständige Zuordnung steht auf Das Runenalphabet.

Welche Runen sollte man nicht stechen?

Zwei Sowilo nebeneinander, die geflügelte Odalrune und die Schwarze Sonne. Bei einzelnen Runen wie Othala und Algiz lohnt es sich, die Vorgeschichte zu kennen, bevor man sie sichtbar trägt.

Sind Wikinger-Runen und normale Runen dasselbe?

Nein. Die Wikinger schrieben mit dem Jüngeren Futhark aus 16 Zeichen. Die 24 Zeichen, die man in fast jeder Runentabelle findet, waren zu dieser Zeit schon weitgehend außer Gebrauch.

Kann ich mehrere Runen zu einem Zeichen verbinden?

Ja, das nennt sich Bindrune und ist historisch belegt. Wie man eine baut und welche Kombinationen man meidet, steht auf Bindrunen.

Zum Mitnehmen

Die drei Fragen, die vorher geklärt sein sollten: Welche Reihe? Laut oder Bedeutung? Und hat dieses Zeichen eine Vorgeschichte? Wer sie beantworten kann, bekommt ein Tattoo, das auch in zehn Jahren noch stimmt.

Runen werfenZum Werkzeug Lautwerte nachschlagenDas Runenalphabet Welche Reihe ist welche?Die drei Runenreihen Alle 24 RunenRunen und ihre Bedeutung Deinen Namen in RunenNamen in Runen

Redaktioneller Hinweis: Der Abschnitt zur Rechtslage gibt den allgemeinen Stand wieder und ist keine Rechtsberatung. Die verlinkten Stellen der politischen Bildung sind die fachlich zuverlässigen Anlaufstellen zum Thema.