Runen · Lexikon
Das Runenalphabet
Runen sind Schriftzeichen — aber sie sind keine Buchstaben in unserem Sinn. Und aus diesem einen Unterschied folgt so ziemlich alles, was beim Schreiben von Namen schiefgehen kann.
Unser Alphabet ist eine Sammlung von Buchstaben, die manchmal einen Laut bezeichnen, manchmal zwei und manchmal keinen. Das Ältere Futhark ist eine Sammlung von Lauten. Jedes Zeichen steht für einen Klang, nicht für ein Schriftzeichen.
Deshalb überträgt man Runen nach Gehör, nicht nach Rechtschreibung. Wer „Christian" Zeichen für Zeichen überträgt, bekommt Unsinn heraus. Wer ihn ausspricht — K-r-i-s-t-i-a-n — bekommt etwas, das ein Mensch vor 1.500 Jahren hätte lesen können.
Zum Deuten statt zum Schreiben: Wenn du wissen willst, was die einzelnen Zeichen bedeuten, steht das in der Übersicht aller 24 Runen. Wenn du sie werfen willst, geht das im Runen-Werkzeug.
Die 24 Runen und ihre Lautwerte
| Rune | Name | Lautwert | Steht für |
|---|---|---|---|
| ᚠ | Fehu | f | f |
| ᚢ | Uruz | u | u, ü |
| ᚦ | Thurisaz | th | th (englisches th) |
| ᚨ | Ansuz | a | a, ä |
| ᚱ | Raidho | r | r |
| ᚲ | Kenaz | k | k, hartes c |
| ᚷ | Gebo | g | g |
| ᚹ | Wunjo | w | w |
| ᚺ | Hagalaz | h | h |
| ᚾ | Nauthiz | n | n |
| ᛁ | Isa | i | i, y als Vokal |
| ᛃ | Jera | j | j |
| ᛇ | Eihwaz | ï | seltener Laut, heute kaum gebraucht |
| ᛈ | Perthro | p | p |
| ᛉ | Algiz | z | nicht unser z — siehe unten |
| ᛊ | Sowilo | s | s, ß |
| ᛏ | Tiwaz | t | t |
| ᛒ | Berkano | b | b |
| ᛖ | Ehwaz | e | e |
| ᛗ | Mannaz | m | m |
| ᛚ | Laguz | l | l |
| ᛜ | Ingwaz | ng | ng |
| ᛞ | Dagaz | d | d |
| ᛟ | Othala | o | o, ö |
Vierundzwanzig Zeichen für sechsundzwanzig Buchstaben — es geht also nicht ganz auf. Wo es hakt, steht im nächsten Abschnitt.
Der Fehler, den fast jeder Übersetzer macht
Wenn du im Netz einen Runen-Übersetzer benutzt, wirst du in neun von zehn Fällen sehen, dass deutsches z zu ᛉ (Algiz) wird. Das ist falsch, und es ist der häufigste Fehler überhaupt.
Der Lautwert von Algiz ist kein z, wie wir es sprechen. Er bezeichnet einen alten, stimmhaften Zischlaut, der im Urgermanischen nie am Wortanfang stand und später ganz verschwand. Mit dem deutschen z hat er nichts zu tun.
Unser z ist ein Doppellaut: t + s. Sprich „Zahn" langsam aus, dann hörst du es. In Runen schreibt man ihn deshalb ᛏᛊ — Tiwaz und Sowilo hintereinander.
Warum das ausgerechnet bei dieser Rune passiert, ist leicht zu erraten: Algiz steht in den Tabellen unter „z", weil die Fachliteratur diesen Buchstaben zur Umschrift des alten Lautes benutzt. Ein automatischer Übersetzer sieht „z" und greift zu. Ein Mensch mit Ohren nicht.
Die schwierigen Fälle
C hat keinen eigenen Laut. Sprich das Wort: Klingt es wie k (Christian, Carlo), nimm ᚲ. Klingt es wie ts (Cäsar), nimm ᛏᛊ — wie beim z. Bei „Cent" schwankt die deutsche Aussprache zwischen s und ts; entsprechend ᛊ oder ᛏᛊ.
Q ist kw — also ᚲᚹ.
V ist im Deutschen zweideutig. In „Vater" klingt es wie f → ᚠ. In „Vase" wie w → ᚹ. Wieder entscheidet der Klang.
X ist ks → ᚲᛊ.
Y ist mal Vokal (Sylvia → i, also ᛁ), mal Konsonant (Yannick → j, also ᛃ).
Z ist ts → ᛏᛊ. Siehe oben.
Ä, Ö, Ü haben keine eigenen Zeichen. Man nimmt den Grundvokal: ᚨ, ᛟ, ᚢ.
ß ist ein s → ᛊ.
Sch gibt es nicht. Das Urgermanische kannte diesen Laut nicht. Üblich ist ᛊ, manchmal ᛊᚲ. Hier gibt es keine richtige Lösung, nur eine ehrliche: Man behilft sich.
Ch wie in „Bach" hat keine eigene Rune, aber eine historisch begründbare Annäherung: ᚺ. Das urgermanische h klang in vielen Stellungen ohnehin wie ein raues ch. Daneben ist auch ᚲ üblich; eine exakte Entsprechung gibt es nicht.
Doppelbuchstaben wurden historisch in der Regel nur einmal geschrieben. Aus „Anna" wird ᚨᚾᚨ. Das wirkt für unser Auge falsch, entspricht aber der Praxis der Inschriften.
So gehst du vor
- Sprich den Namen laut aus. Nicht buchstabieren — aussprechen.
- Zerlege ihn in Laute. „Sophie" ist S-o-f-i, nicht S-o-p-h-i-e.
- Setze für jeden Laut die Rune ein. Stumme Buchstaben fallen weg.
- Doppelte zusammenfassen. Ein Zeichen genügt.
- Gegenlesen. Sprich die Runenzeile zurück. Klingt sie wie der Name, stimmt sie.
Ein Beispiel: Christian → gesprochen Kristian → ᚲᚱᛁᛊᛏᛁᚨᚾ. Kein ch, kein stummes Zeichen, ein sauberer Lautstrang.
Noch eines: Max → gesprochen Maks → ᛗᚨᚲᛊ.
Wortzeichen und Worttrenner
In alten Inschriften gibt es keine Kleinschreibung, keine Satzzeichen und oft nicht einmal Wortabstände. Wo Wörter getrennt wurden, geschah das mit Punkten oder kurzen Strichen — ein Doppelpunkt oder ein Kreuzchen zwischen den Wörtern.
Für einen einzelnen Namen brauchst du das nicht. Für einen Satz sieht ein Punkt zwischen den Wörtern historisch stimmiger aus als eine Leerstelle.
Wenn es Wikingerschrift sein soll
Alles auf dieser Seite bezieht sich auf das Ältere Futhark mit 24 Zeichen. Das ist die Reihe, mit der sich Namen am eindeutigsten schreiben lassen — und die Reihe, zu der es Bedeutungen gibt.
Wer historisch genau die Schrift der Wikingerzeit will, braucht dagegen das Jüngere Futhark mit nur 16 Zeichen. Dort wird es deutlich schwieriger: Ein Zeichen muss mehrere Laute abdecken, und dieselbe Runenzeile lässt sich oft auf mehrere Arten lesen. Der Unterschied zwischen den Reihen steht auf Die drei Runenreihen.
Häufige Fragen
Wie schreibe ich meinen Namen in Runen?
Sprich ihn laut aus und übertrage die Laute, nicht die Buchstaben. Stumme Buchstaben fallen weg, Doppelbuchstaben werden zu einem Zeichen. „Christian" wird zu ᚲᚱᛁᛊᛏᛁᚨᚾ, weil er Kristian gesprochen wird.
Gibt es für jeden Buchstaben eine Rune?
Nein. Für c, q, v, x, y und z gibt es keine eigenen Zeichen, ebenso wenig für ä, ö, ü, sch und ch. Man überträgt sie nach ihrem Klang oder umschreibt sie mit zwei Runen.
Welche Rune steht für z?
Für das deutsche z stehen zwei Runen: ᛏᛊ, weil unser z als ts gesprochen wird. Die Rune ᛉ (Algiz) wird in Tabellen zwar unter „z" geführt, bezeichnet aber einen ganz anderen, alten Laut. Fast alle automatischen Übersetzer machen hier denselben Fehler.
Sind Runen Groß- oder Kleinbuchstaben?
Weder noch. Diese Unterscheidung gibt es im Runenalphabet nicht. Es gibt nur eine Form pro Zeichen.
Kann man mit Runen deutsche Wörter schreiben?
Ja, mit den beschriebenen Behelfen für die Laute, die das Urgermanische nicht kannte. Historisch korrekt ist das nicht — es ist eine moderne Anwendung einer alten Schrift, und das ist völlig in Ordnung, solange man es weiß.
Wie kann ich Runen entschlüsseln?
Von links nach rechts lesen, jedes Zeichen durch seinen Lautwert ersetzen und das Ergebnis laut aussprechen. Weil nach Lauten geschrieben wurde, erkennt man das Wort meist erst beim Hören, nicht beim Sehen. Bei echten Inschriften kommt erschwerend dazu, dass Wortabstände fehlen und Doppelbuchstaben nur einmal geschrieben sind.
Was bedeutet ᛒ?
ᛒ ist Berkano, die Rune mit dem Lautwert b. Ihr Name bedeutet Birke, und gedeutet steht sie für Wachstum, Anfang und Fürsorge. Wie bei allen Runen gilt: Beim Schreiben zählt der Laut, beim Deuten der Name. Mehr dazu auf Berkano.
Was ist der Unterschied zwischen Runen schreiben und Runen deuten?
Beim Schreiben zählt nur der Lautwert. Beim Deuten zählt nur der Name der Rune und seine Bedeutung. Es sind zwei verschiedene Anwendungen derselben Zeichen — man sollte sie nicht vermischen. Wer einen Namen schreibt, schreibt keine Botschaft.
Ein Hinweis zum Schluss
Wenn dein Name Zeichen enthält, die für Tätowierungen heikel sind — das betrifft vor allem Sowilo und Othala —, lohnt ein Blick auf Runen-Tattoo, bevor du zum Studio gehst. Es geht dort nicht um Verbote, sondern um Zusammenhänge, die man kennen sollte.
Runen werfen → Zum Werkzeug Was die Zeichen bedeuten → Runen und ihre Bedeutung Welche Reihe ist welche? → Die drei Runenreihen Zwei Runen verbinden → Bindrunen Deinen Namen in Runen → Namen in Runen
Redaktioneller Hinweis: Die Lautzuordnungen folgen dem gängigen Vorgehen der Runenkunde. Wo es keine saubere Lösung gibt — etwa bei sch — steht das im Text, statt eine Sicherheit vorzutäuschen.
